Hier ist er: der zweite Teil über die Spit­zen­kan­di­da­ten der “OPis”. Wir wol­len sie euch näher brin­gen, denn bald ist Bun­des­tags­wahl – doch wer kennt die Kan­di­da­ten in den Län­dern wirk­lich näher? Wer sind sie, wofür ste­hen sie, was sind ihre Beweg­gründe? Um dies her­aus­zu­fin­den, haben wir vor eini­ger Zeit im Wiki Fra­gen gesam­melt, auf­ge­ar­bei­tet und den Spit­zen­kan­di­da­ten der Piraten-Listen in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern geschickt.

Bis zur Bun­des­tags­wahl wer­den wir so viele Ant­wor­ten wie mög­lich für euch veröffentlichen.


Name: Michael Vogel

Lan­des­ver­band: Hamburg

Pro­fil: Hier

“You can’t change the world
But you can change the facts
And when you change the facts
You change points of view
If you change points of view
You may change a vote
And when you change a vote
You may change the world”

Depe­che Mode, „New Dress“ aus dem Album „Black Celebration“

Inter­view mit Michael Vogel

Per­sön­lich

Wie heißt du, wie alt bist du und was machst du beruf­lich?
Ich heiße Michael Vogel, bin mit mei­nen 39 Jah­ren schon eher ein Senior der Par­tei und arbeite — wie viele Pira­ten – im IT-Bereich als Programmierer.

Hast du Fami­lie und Kin­der?
Nein, ich bin Single.

Wie hast du von den Pira­ten erfah­ren und wann und warum bist du ihnen beigetreten?

Auf der „Frei­heit Statt Angst“ Demo im April 2007 in Frank­furt habe ich das erste Mal Kon­takt zu den Pira­ten gehabt. Das war übri­gens auch die erste Demo, auf der ich jemals war. Ich bin damals beige­tre­ten, weil mir die Rich­tung nicht gefiel, in die unsere Demo­kra­tie der­zeit steu­ert. Damals gab es keine Par­tei (Anmer­kung von mir: außer der Pira­ten­par­tei), die glaub­haft dage­gen Wider­stand leistete.

Bist du Mit­glied in einer ande­ren Par­tei als den PIRATEN oder warst du es? Möch­test du etwas über deine poli­ti­sche Ver­gan­gen­heit erzäh­len? Warum hast du dich für die Bun­des­tags­wahl auf­stel­len lassen?

Ich war schon immer poli­tisch sehr inter­es­siert, aber nie in einer Par­tei tätig. Schon zu Schul­zei­ten habe ich den poli­ti­schen Unter­richt mit Inter­esse ver­folgt. Aller­dings habe ich mir immer gesagt, dass die aktive Poli­tik eine Sache ist, die ich nie machen würde — das hat sich geän­dert. Mitt­ler­weile bin ich der Mei­nung, dass die Demo­kra­tie uns nicht nur ein­fach gege­ben wurde, son­dern dass wir sie jeden Tag aufs Neue wie­der ver­tei­di­gen müs­sen. Dem­ent­spre­chend habe ich mich auf­stel­len lassen.

Wenn du ein Man­dat bekommst, inwie­fern kannst du das mit dei­nem Beruf vereinbaren?

Meine beruf­li­che Tätig­keit müsste für die Zeit der Man­dats­aus­übung sicher­lich ruhen. Dies fände ich schade, da mir mein Beruf gefällt. Aber sicher­lich wäre der Bun­des­tag eine inter­es­sante Herausforderung.

Poli­tisch

Wel­che Auf­ga­ben über­nimmst du für die Pira­ten­be­we­gung, was sind deine Inter­es­sen und Tätig­kei­ten dabei?

Ich bin Lis­ten­kan­di­dat, gleich­zei­tig Bei­sit­zer im Ham­bur­ger Vor­stand, und arbeite im Ham­bur­ger Pres­se­team.
Meine spe­zi­el­len poli­ti­schen Inter­es­sen, bzw. Schwer­punkte lie­gen in der frei­heit­li­chen Richtung.

Was wür­dest du als das wich­tigste anse­hen, das du als Par­la­men­ta­rier bewe­gen kannst?

Die erste Zeit wäre sicher­lich sehr inter­es­sant. Kei­ner der Pira­ten hat bis­lang par­la­men­ta­ri­sche Erfah­rung. Wir müss­ten sicher­lich erst­mal die Pro­zesse beob­ach­ten, um zu sehen, wie es im Moment funk­tio­niert. Wenn die­ser Schritt abge­schlos­sen ist, soll­ten wir uns dar­an­set­zen, diese Pro­zesse zu über­ar­bei­ten. So stelle ich es mir als wich­tig vor, auch als Par­la­men­ta­rier jeder­zeit den Kon­takt zur Basis zu hal­ten. Wir wol­len die
Trans­pa­renz des Staa­tes. Und das bedeu­tet, dass die Bür­ger die Mög­lich­keit erhal­ten soll­ten, jeg­li­che Debatte zu ver­fol­gen. Wich­tig dabei ist dann das Feed­back. So stelle ich es mir z.B. vor, zu ent­spre­chen­den Ent­schei­dun­gen Abstim­mun­gen unter der Basis durch­zu­füh­ren, die dann auch von den Par­la­men­ta­ri­ern ange­nom­men und wei­ter­ge­tra­gen wer­den. Die Poli­tik muss wie­der zu den Bür­gern zurück­ge­bracht wer­den — der Bür­ger sollte nicht nur alle paar Jahre ein Kreuz machen dür­fen, son­dern sollte in die Ent­schei­dungs­pro­zesse ein­ge­bun­den sein.

Was wür­dest du als das wich­tigste anse­hen, das du als Par­la­men­ta­rier im Bereich Grund­rechte bewe­gen kannst?

Unsere Grund­rechte dür­fen nicht wei­ter ein­ge­schränkt wer­den. Dem­ent­spre­chend wäre es mein Anlie­gen bereits beste­hende Rege­lun­gen wie u.A. die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung wie­der rück­gän­gig zu machen.

Was wür­dest du als das wich­tigste anse­hen, das du als Par­la­men­ta­rier im Bereich Jugend­po­li­tik bewe­gen kannst?

Das Thema „Bil­dung“ würde da an ers­ter Stelle ste­hen. Ich halte es falsch, jetzt auf Bie­gen und Bre­chen ein Turbo-Abitur ein­zu­füh­ren und die Schü­ler so mehr unter Druck zu set­zen. Wir soll­ten uns neue Kon­zepte aus­den­ken, die die Schule zu mehr als einer rei­nen
Wis­sens­ver­mitt­lungs­in­sti­tu­tion machen würde. Wieso sollte die Schule nicht noch mehr Akti­vi­tä­ten außer­halb des Unter­richts för­dern? Die Mög­lich­kei­ten ste­hen ja bereit. So könn­ten die Schü­ler in frei­wil­li­ger Umge­bung ihre sport­li­chen, musi­schen und andere Inter­es­sen nachgehen.

Wenn du als PIRAT Teil einer Regie­rungs­ko­ali­tion wer­den könn­test, mit wem wür­dest du am liebs­ten koalieren?

Unsere all­ge­mein geäu­ßerte Aus­sage dazu ist ja, dass wir mit allen demo­kra­ti­schen Par­teien zusam­men­ar­bei­ten wür­den, die unsere Punkte ver­tre­ten — was die CDU aus­schließt und die SPD zumin­dest nicht in die engere Aus­wahl brin­gen würde. Meine Lieb­lings­part­ner wären die Grü­nen. Sie benö­ti­gen sicher­lich noch Nach­hilfe in vie­len Punk­ten. Aber viel­leicht könn­ten wir für die Grü­nen das sein, was die Grü­nen für die
SPD war — der Kata­ly­sa­tor für mehr Umwelt­be­wußt­sein in der Politik.

Was sagst du zu der Ansicht, die Pira­ten­par­tei würde sich nicht aus­rei­chend gegen ille­ga­les File­sha­ring, wel­ches die Künst­ler schä­digt, aussprechen?

Nun, auch Künst­ler benö­ti­gen Geld zum Über­le­ben. Aller­dings habe ich schon häu­fig genug in Gesprä­chen gehört, dass sogar Leute, die wahre „Jäger und Samm­ler“ sind, auch ins Kino gehen, sich auch DVDs aus­lei­hen und CDs kau­fen. Ich habe ein Pro­blem damit, wenn jemand Pro­fit dar­aus schlägt. Wenn man seine Musik und seine Filme unter Freun­den unent­gelt­lich aus­tauscht, ist dies eine Sache — damit Geld zu ver­die­nen ist eine andere.

Siehst du die Pira­ten­par­tei als Par­tei der Nerds und Com­pu­ter­freaks? Wenn ja, siehst du das als hilf­reich an, wenn nein, wie möch­test du gegensteuern?

Da ich seit 2007 dabei bin, konnte ich sehen, wie sich die Mit­glie­der ent­wi­ckelt haben. Gerade in letz­ter Zeit habe ich das Gefühl, dass wir immer mehr Mit­glie­der aller Struk­tu­ren erhal­ten. Ich finde dies auch sehr wich­tig, denn nur wenn wir ein Quer­schnitt der Bevöl­ke­rung sind, kön­nen wir auch die Pro­bleme der Bevöl­ke­rung verstehen.

Sollte sich die Pira­ten­par­tei auch in der Lokal­po­li­tik und auf Lan­des­ebene mit eige­nen Pro­gramm­punk­ten aufstellen?

Auf alle Fälle soll­ten die Pira­ten auch in der Lan­des­po­li­tik mit­mi­schen. Dies geht aber nur glaub­haft, wenn wir auch lokale The­men auf­grei­fen. Unsere Kern­the­men bie­ten dabei eine gute Basis, denn innere Sicher­heit und die Bil­dungs­po­li­tik sind Lan­des­the­men. Andere, nicht die Kern­the­men betref­fende The­men soll­ten die Lan­des­ver­bände dann auf­neh­men, wenn sie eine hin­rei­chende Kom­pe­tenz in die­sen Punk­ten ent­wi­ckelt haben.

Die Jun­gen Pira­ten bedan­ken sich für die Ant­wor­ten und wün­schen viel Erfolg im Wahlkampf!