Erfolg­rei­che Kri­tik der PIRATEN am Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV)

Hes­sens Minis­ter­prä­si­dent Roland Koch (CDU) und der neue NRW-Generalsekretär der CDU, Andreas Kraut­scheid, haben Ver­tre­ter der Pira­ten­par­tei und ihrer Jugend­or­ga­ni­sa­tion „Junge Pira­ten“ (JuPis) zu Gesprä­chen in ihre Staats­kanz­leien ein­ge­la­den. Zuvor hat­ten die PIRATEN ges­tern in 12 deut­schen Lan­des­haupt­städ­ten gegen die geplante Neu­fas­sung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) demonstriert.

Die Pira­ten kri­ti­sie­ren unter ande­rem, dass sich vor allem für nicht­kom­mer­zi­elle Betrei­ber von Internet-Angeboten zahl­rei­che Pro­bleme durch den Neu­ent­wurf des JMStV erge­ben. Neben der Kri­tik am Inhalt des JMStV wird bemän­gelt, dass der Ver­trag ohne jeg­li­chen öffent­li­chen Dis­kurs erstellt wurde. »Die­ses Vor­ge­hen ist intrans­pa­rent und unde­mo­kra­tisch«, betont Nico Kern (37) auf der Kund­ge­bung vor der Staats­kanz­lei in Düs­sel­dorf. Kern ist Spit­zen­kan­di­dat der Pira­ten­par­tei für die Land­tags­wahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai 2010.

Meh­rere hun­dert Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei waren ges­tern vor den Staats­kanz­leien in Wies­ba­den, Ber­lin, Düs­sel­dorf, Stutt­gart, Mün­chen, Ham­burg, Bre­men, Han­no­ver, Saar­brü­cken, Dres­den, Erfurt und Kiel gegen die Neu­fas­sung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) zu Mahn­wa­chen und Demons­tra­tio­nen auf die Straße gegan­gen. An den Aktio­nen betei­lig­ten sich zahl­rei­che Lan­des– und Bun­des­vor­stände der Par­tei ebenso wie viele der Lis­ten– und Direkt­kan­di­da­ten für die Land­tags­wah­len in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. In meh­re­ren Städ­ten wur­den den Pira­ten dar­auf­hin Gesprä­che mit den CDU-geführten Lan­des­re­gie­run­gen angeboten.

So lud der hes­si­sche Minis­ter­prä­si­dent Roland Koch die Demons­tra­ti­ons­teil­neh­mer zu einem halb­stün­di­gen Gespräch in die Wies­ba­de­ner Staats­kanz­lei ein. In Düs­sel­dorf spra­chen Spit­zen­kan­di­dat Nico Kern und zwei wei­tere PIRATEN mit dem NRW-Minister für Bun­des­an­ge­le­gen­hei­ten, Europa und Medien, Andreas Kraut­scheid, der ges­tern als neuer CDU-Generalsekretär in Nordrhein-Westfalen benannt wurde.

Die Pira­ten sind erfreut über die Gesprächs­be­reit­schaft der CDU. »Wir sind gerne bereit, unsere Kom­pe­tenz bei Internet-Themen auch ande­ren Par­teien zur Ver­fü­gung zu stel­len«, sagt Heiko Her­berg (22), Bun­des­vor­sit­zen­der der Jun­gen Pira­ten, der sich an der Pro­test­ak­tion der PIRATEN in Ber­lin betei­ligte. Lukas Lamla (26), Lis­ten­kan­di­dat der PIRATEN für die Land­tags­wahl in NRW, fügt hinzu: »Wich­tig ist uns, dass wir unsere Ziele errei­chen – egal, wer sie poli­tisch umsetzt. Wir freuen uns, dass die CDU dies offen­bar aner­kennt und nicht aus wahl­kampf­tak­ti­schen Erwä­gun­gen aus Prin­zip eine gegen­sätz­li­che Posi­tion einnimmt.«

Etwas irri­tiert zeigt sich aller­dings Julia Reda, Mit­glied des Bun­des­vor­stands der JuPis, nach dem Tref­fen mit Roland Koch: »Offen­sicht­lich hat sich die Regie­rung bis­her wenig Gedan­ken darum gemacht, dass Sen­de­zeit­be­gren­zun­gen im inter­na­tio­na­len Medium Inter­net weder sinn­voll noch wirk­lich durch­führ­bar sind.« Die 23-jährige Stu­den­tin hatte dem 51-jährigen hes­si­schen CDU-Ministerpräsidenten zuvor die Pro­bleme erklärt, die die geplante Haf­tung pri­va­ter Anbie­ter für fremd­ge­ne­rierte Inhalte auf ihren Web­sei­ten mit sich bringt.

Da die spon­tan orga­ni­sierte Aktion in Kiel nicht ange­mel­det war, muss Wolf­gang Dudda (52), poli­ti­scher Geschäfts­füh­rer des Lan­des­ver­bands Schleswig-Holstein mit einem Buß­geld für die Demons­tra­tion rech­nen. Dudda sieht dies gelas­sen: »Die­ses Preis zahle ich gerne, wenn unsere Argu­mente von der Regie­rung jetzt ernst genom­men werden.«

Tobias Ste­phan (35), Fami­li­en­va­ter und Lis­ten­kan­di­dat der Pira­ten für die Land­tags­wahl in NRW, ist ein kla­rer Ver­fech­ter von mehr Jugend­schutz. Über die geplante Novel­lie­rung des JMStV schüt­telt er aber eben­falls den Kopf: »Auch wenn der Schutz vor schäd­li­chen Inhal­ten natür­lich wich­tig ist, kommt eine hart an Zen­sur gren­zende Maß­nahme zum Errei­chen die­ses Ziels auf kei­nen Fall in Frage.« Nach Ansicht des selb­stän­di­gen Unter­neh­mers kann ein sinn­vol­ler Jugend­schutz nur durch Auf­klä­rung und ent­spre­chende Medi­en­kom­pe­tenz bei Eltern und Leh­rern stattfinden.

Die­sen Weg unter­stützt auch Ste­fa­nie Kruse (29), poli­ti­sche Geschäfts­füh­re­rin des Bezirks­ver­bands Stutt­gart und Orga­ni­sa­to­rin der dor­ti­gen Pro­test­ak­tion: »Eltern müs­sen dazu befä­higt wer­den, den indi­vi­du­el­len Ent­wick­lungs­stand ihres Kin­des beur­tei­len und damit selbst ent­schei­den zu kön­nen, wo des­sen Gren­zen beim Umgang mit neuen Medien sind.« Sören Fischer (25), Direkt­kan­di­dat der Pira­ten im Wahl­kreis Stutt­gart II für die Land­tags­wah­len in Baden-Württemberg in 2011, ergänzt: »Dies lässt sich am bes­ten über Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bote für Eltern und Leh­rer erreichen.«

Die Rich­tung, in die der aktu­ell vor­lie­gende Ent­wurf für die Novel­lie­rung des Jugend­me­di­en­schutz­staats­ver­tra­ges geht, leh­nen die Pira­ten dage­gen ein­hel­lig ab. »Wir for­dern die Ver­ant­wort­li­chen dazu auf, sich erst ein­mal grund­sätz­lich über die Mög­lich­kei­ten zum Jugend­schutz in den Medien des 21. Jahr­hun­derts zu infor­mie­ren, und erst danach sinn­volle Gesetze aus­zu­ar­bei­ten. Kind­ge­rechte Inhalte soll­ten als sol­che gekenn­zeich­net wer­den, um auch den Eltern bei der Aus­wahl zu hel­fen, was für ihre Kin­der das Beste ist. Dabei hel­fen wir mit unse­rer Internet-Kompetenz gerne mit«, betont Thors­ten Wirth, poli­ti­scher Geschäfts­füh­rer der Pira­ten­par­tei Deutsch­land. Die der­zei­tige Rich­tung der Poli­tik mit dem JMStV als Quasi-Neuauflage des „Zugangs­er­schwe­rungs­ge­set­zes“ sehen die Pira­ten mit gro­ßer Sorge.

Aus die­sem Grund rufen Pira­ten­par­tei und Junge Pira­ten am heu­ti­gen Mitt­woch zwi­schen 14 und 19 Uhr zu einer erneu­ten Mahn­wa­che auf dem Guten­berg­platz in Mainz auf. Dort befin­det sich der Sitz der Rund­funk­kom­mis­sion der Län­der, die für den Neu­ent­wurf des JMStV ver­ant­wort­lich ist.


Lizenz­freies Bild– und Videomaterial:

- Wies­ba­den (Fotos): http://www.flickr.com/photos/47891202@N08
– Kiel (Fotos): http://www.flickr.com/photos/47831132@N04/sets/72157623371135253/
– Düs­sel­dorf (Video): http://bit.ly/c1K2wP
– Düs­sel­dorf (Fotos): http://twitpic.com/photos/piratenschaf
– Ber­lin (Fotos): http://twitpic.com/14xi35


Ver­ant­wort­lich für den Inhalt die­ser Pres­se­mit­tei­lung: Bun­des­pres­se­stelle der Pira­ten­par­tei Deutsch­land und der Jun­gen Pira­ten
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