Die Jun­gen Pira­ten zei­gen sich scho­ckiert in Anbe­tracht der Äuße­run­gen der Inter­na­tio­nal Intel­lec­tual Pro­perty Alli­ance (IIPA) zu Open Source Soft­ware, in wel­chen sie diese mit ille­gal kopier­ten Anwen­dun­gen gleich­stellt [1]. Sie zei­gen eine fata­les Unver­ständ­nis sowie eine Ver­leug­nung der Eigen­schaf­ten freier Soft­ware. Noch weni­ger ist es akzep­ta­bel, Län­der, die die Ver­brei­tung von freien Alter­na­ti­ven zu gewöhn­li­cher kom­mer­zi­el­ler Soft­ware för­dern, auf „Risi­ko­lis­ten“ zu setzen.

Dass diese Bitte der IIPA durch das faden­schei­nige Argu­ment begrün­det wird, Open Source sei anti­ka­pi­ta­lis­tisch und kom­mu­nis­tisch, zeigt, dass es in die­ser Debatte nicht um Argu­mente, son­dern viel­mehr um die Ver­drän­gung von auf­stre­ben­der Kon­kur­renz vom Markt geht.“, erläu­tert Mathis Elling, Lei­ter der AG Freie Soft­ware der Jun­gen Pira­ten, wel­che sich mit die­ser The­ma­tik aus­ein­an­der­setzt. „Wel­che Vor­teile dies für die Mit­glie­der der Lob­byor­ga­ni­sa­tion IIPA hätte, ist offen­sicht­lich. So fürch­ten viele Her­stel­ler von kom­mer­zi­el­ler Soft­ware schwere Gewinn­ein­bu­ßen durch freie Alter­na­ti­ven.“, so Elling wei­ter. Anstatt sich mit der Mate­rie aus­ein­an­der­zu­set­zen und zu beden­ken, wie auch kom­mer­zi­elle Fir­men freie Lizen­zen nut­zen könn­ten, würde hier durch bil­lige Panik­ma­che und Schmutz­kam­pan­gen ver­sucht, die Kon­kur­renz in ein nega­ti­ves Licht zu rücken.

Dabei hat freie Soft­ware viele Vor­teile gegen­über kom­mer­zi­el­ler. Da sie häu­fig kos­ten­los ver­füg­bar ist, bekom­men durch sie gerade sozial schlech­ter gestellte Men­schen die Mög­lich­keit, an techn­lo­gi­schem Fort­schritt teil­zu­ha­ben, den sie sich im Nor­mal­fall nicht leis­ten könn­ten. Auch Ent­wick­lungs­län­der, wel­che nur über knappe finan­zi­elle Mit­tel ver­fü­gen, wären, wür­den sie kom­mer­zi­elle Soft­ware benut­zen, benach­tei­ligt, da ihnen das Geld, das sie für teure Lizen­zen aus­ge­ben müss­ten, in ande­ren Berei­chen feh­len würde.

Fatal ist zudem, dass durch ein mög­li­ches Ver­bot von freier Soft­ware nicht nur die Pro­gramme selbst, son­dern auch eine rie­sige Gemeinde von Ent­wick­lern in die Ille­ga­li­tät gedrängt würde. Denn da der Quell­code von freier Soft­ware fast aus­nahms­los ver­füg­bar ist, hat jeder die Mög­lich­keit, seine Ideen ein­zu­brin­gen. Im Gegen­satz zu her­kömm­li­chen Anwen­dun­gen, die meis­tens nur von einem klei­nen Team von Per­so­nen ent­wi­ckelt wer­den, ist freie Soft­ware wesent­lich facet­ten­rei­cher und kann die Anfor­de­run­gen und Vor­stel­lun­gen von vie­len ver­schie­de­nen Per­so­nen abde­cken. Jedem ist nicht nur frei­ge­stellt, zu äußern, wel­che Funk­tio­nen er in dem Pro­gramm ver­misst, er kann sie auch selbst hin­zu­fü­gen. Auch beinhal­tet Soft­ware, deren Quell­code frei ver­füg­bar ist, oft­mals weni­ger Feh­ler, da diese schnel­ler auf­fal­len, wenn meh­rere Per­so­nen den Code durch­se­hen. Diese Liste der Vor­teile ließe sich noch lange fortsetzen.

Unter die­sem Aspekt ver­wei­sen die Jun­gen Pira­ten auch auf ihre AG Freie Soft­ware [2], wel­che sich dafür ein­setzt, Open Source Soft­ware in der Gesell­schaft zu eta­blie­ren und deren Nut­zung zu för­dern sowie Hil­fe­stel­lung beim Wech­sel von kom­mer­zi­el­ler Soft­ware zu geben.

[1] http://www.gulli.com/news/lobbyorganisation-open-source-software-gleich-raubkopie-2010–02-25
[2] http://wiki.junge-piraten.de/wiki/AG_Freie_Software