Ver­tre­ter der Pira­ten tra­fen sich am Diens­tag in Mainz mit dem Chef der Staats­kanz­lei Mar­tin Sta­del­maier, um ihre mas­sive Kri­tik am Neu­ent­wurf des Jugend­me­di­en­schutz­staats­ver­tra­ges (JMStV-E) vor­zu­tra­gen. Auch nach dem Gespräch blei­ben die Pira­ten bei ihrer vehe­men­ten Kri­tik: „Ver­pflich­tun­gen zur Kenn­zeich­nung von Web­sei­ten müs­sen aus dem Ver­trag gestri­chen wer­den. Inhalt­li­che Vorab-Prüfpflichten für Web­sei­ten­be­trei­ber sind unzu­mut­bar und gefähr­den die freie Kom­mu­ni­ka­tion im Inter­net“, so Julia Reda, Mit­glied im Bun­des­vor­stand der Jun­gen Pira­ten (JuPis). „Trotz der Lip­pen­be­kennt­nisse der Lan­des­re­gie­rung haben wir die begrün­dete Sorge, dass Web­sei­ten­be­trei­ber nach dem aktu­el­len Geset­zes­ent­wurf nut­zer­ge­ne­rierte Inhalte, wie etwa Kom­men­tare, prä­ven­tiv inhalt­lich kon­trol­lie­ren müs­sen. Dies muss im Geset­zes­text glas­klar aus­ge­schlos­sen werden!“

Die Pira­ten for­dern, dass aus dem Staats­ver­trag deut­lich her­vor­geht, dass Anbie­ter nicht für Inhalte von ver­link­ten Web­sei­ten oder nut­zer­ge­ne­rier­ten Inhalt belangt wer­den kön­nen. Ste­phan Urbach, Pres­se­spre­cher der Jun­gen Pira­ten, ergänzt dazu: „Ich wün­sche mir, dass die ange­kün­digte Prä­zi­sie­rung der For­mu­lie­run­gen im Staats­ver­trag umge­setzt wird und Rechts­si­cher­heit für Web­sei­ten­be­trei­ber gewähr­leis­tet ist.“ Die PIRATEN und JuPis sehen in dem Ver­trag eine Ver­let­zung der Netz­neu­tra­li­tät, die nicht tole­riert wer­den darf. Zugangs­pro­vi­der kön­nen per gericht­li­chem Beschluss zur Sper­rung von Web­sei­ten gezwun­gen werden.

Es ist nicht Auf­gabe von Zugangs­pro­vi­dern, im Namen eines ver­meint­li­chen Jugend­schut­zes Ein­fluss dar­auf zu neh­men, wel­che Inhalte ihre Kun­den im Inter­net abru­fen. Die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen, die Pro­vi­der zur Sper­rung von Web­sei­ten schaf­fen müs­sen, ber­gen stets die Gefahr, zur Fil­te­rung unlieb­sa­mer Webin­halte miss­braucht zu wer­den.“ so Anna Sche­rer, Lan­des­vor­sit­zende der Pira­ten­par­tei Rheinland-Pfalz.

Ein wei­te­rer Kri­tik­punkt ist die man­gelnde Trans­pa­renz des Gesetz­ge­bungs­pro­zes­ses, der zum Geset­zes­ent­wurf geführt hat. Man war sich einig, dass hier Nach­hol­be­darf besteht. Angelo Vel­tens, poli­ti­scher Geschäfts­füh­rer der Pira­ten­par­tei Rheinland-Pfalz, fügt abschlie­ßend hinzu: „Wir sind der Mei­nung, dass die Aus­ar­bei­tung sol­cher Ver­trags­ent­würfe nicht im Gehei­men statt­fin­den darf. Ver­trags­ent­würfe müs­sen zeit­nah ver­öf­fent­licht und Ände­run­gen dabei her­vor­ge­ho­ben und klar auf­ge­zeigt wer­den. Dar­auf haben die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ein Anrecht. Unsere Gesprächs­part­ner haben hier Ein­sicht gezeigt und für die Zukunft Bes­se­rung gelobt. Lei­der ist der aktu­elle Ver­trags­ent­wurf den­noch bis­her nicht veröffentlicht.“

Die Pira­ten­par­tei fordert:

  • den Stopp der irr­sin­ni­gen Sendezeiten-Regelungen
  • die Gewähr­leis­tung der freien Dis­kus­si­ons­kul­tur im Netz
  • den Schutz der Meinungs-, Infor­ma­ti­ons– und Pressefreiheit
  • keine Pflicht zur Kenn­zeich­nung von Inhalten!
  • keine Vorab-Prüfpflichten für Webseiten-Anbieter!
  • keine Haf­tung für das Set­zen von Hyperlinks!
  • keine Netzsperren-Infrastruktur!
  • keine Zwangs­fil­te­rung auf Anbieterebene!
  • keine Haf­tung der Zugangs­an­bie­ter für Inhalte!
  • die Ver­an­ke­rung von Zensur-Freiheit im JMStV
  • die Ver­an­ke­rung von Netz­neu­tra­li­tät im JMStV
  • die umge­hende Ver­öf­fent­li­chung des aktu­el­len Gesetzesentwurfs
  • die Ein­bin­dung der Öffent­lich­keit in die Diskussion
  • öffent­li­che Sit­zun­gen der Rundfunkkommission
  • die Ein­rich­tung einer Grundrechte-Agentur
  • eine stär­kere För­de­rung von Medi­en­kom­pe­tenz an Schulen

Ver­ant­wort­lich für den Inhalt die­ser Pres­se­mit­tei­lung:
Lan­des­pres­se­stelle der Pira­ten­par­tei Rheinland-Pfalz

Ver­ant­wort­lich für den Ver­sand die­ser Pres­se­mit­tei­lung:
Lan­des­pres­se­stelle der Pira­ten­par­tei Rheinland-Pfalz und die Bun­des­pres­se­stelle der Jun­gen Piraten