Bun­des­re­gie­rung spart an poli­ti­scher Bildung

Poli­tik­ver­dros­sen­heit“ lau­tet der Name des Schreck­ge­spens­tes, das von Poli­tik, Medien und Päd­ago­gen immer wie­der gern beschwo­ren wird. Durch schwin­den­des Ver­trauen in die Tages­po­li­tik und feh­len­des Ver­ständ­nis der poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen sei die Demo­kra­tie selbst in Gefahr.

Grundgesetze von der bpbUmso mehr tref­fen die Pläne der Bun­des­re­gie­rung bei den Jun­gen Pira­ten auf Unver­ständ­nis, aus­ge­rech­net am Bud­get der Bun­des­zen­trale für Poli­ti­sche Bil­dung mas­sive Kür­zun­gen vor­zu­neh­men. Bis 2011 sol­len über 6,5 Mil­lio­nen ein­ge­spart wer­den, was mehr als 15% des Gesamt­etats ent­spricht. Wei­tere 9,6 Mil­lio­nen plant das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­rium bis 2013 zu strei­chen.

Demo­kra­tie braucht poli­ti­sche Bildung

Wie kaum eine andere Insti­tu­tion in Deutsch­land för­dert die bpb die poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung der Bür­ger, nicht nur durch ihre kos­ten­freien Publi­ka­tio­nen, son­dern auch durch die finan­zi­elle Unter­stüt­zung poli­ti­scher Ver­eine und Stif­tun­gen, die Orga­ni­sa­tion von Ver­an­stal­tun­gen zu ver­schie­dens­ten poli­ti­schen The­men sowie Online­an­ge­bote wie z.B. den Wahl-O-Mat.

Gerade auch im Bereich der poli­ti­schen Schul­bil­dung sind die Mate­ria­lien der Bun­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung aus der Pra­xis kaum weg­zu­den­ken: In sämt­li­chen gesell­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Unter­richts­fä­chern, von Geschichte über Poli­tik, Sozial– oder Gesell­schafts­kunde bis hin zum Reli­gi­ons­un­ter­richt sind die Publi­ka­tio­nen essen­ti­el­ler Bestand­teil des Unter­rich­tes. Gerade die Jugend, die für das Wei­ter­be­ste­hen der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land an Demo­kra­tie, Sozial– und Recht­staat­lich­keit her­an­ge­führt wer­den muss, pro­fi­tiert somit von einem breit auf­ge­stell­ten Bil­dungs­an­ge­bot, beson­ders in der Politikwissenschaft.

Daher stellt der geplante finan­zi­elle Kahl­schlag bei der bpb eine Gefahr für die Demo­kra­tie dar, und ist auch ein Zei­chen dafür, dass die Bun­des­re­gie­rung die Bür­ger offen­sicht­lich nicht mehr in den Staat ein­bin­den will. Lei­der bricht die Bun­des­re­gie­rung so auch ein­mal mehr ihr Ver­spre­chen, nicht an der Bil­dung spa­ren zu wollen.

Demo­kra­ti­sche Mit­be­stim­mung stärken

Es wäre statt­des­sen drin­gend gebo­ten, die Ange­bote der Bun­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung aus­zu­bauen und den Bür­gern zugleich mehr Mit­be­stim­mungs­rechte in der Poli­tik zuzu­ge­ste­hen. Allein mit poli­ti­scher Bil­dung wird man das Ver­trauen der Bür­ger in die Poli­tik nicht stär­ken kön­nen. Die Jun­gen Pira­ten for­dern die Bun­des­re­gie­rung dazu auf, dem Bür­ger echte Per­spek­ti­ven zu geben, die Gesell­schaft demo­kra­tisch mitzugestalten.

Das Innen­mi­nis­te­rium muss sich ange­sichts sei­ner Spar­pläne die Frage gefal­len las­sen, ob es befürch­tet, dass poli­ti­sche Bil­dung das Ver­trauen der Bür­ger in die Tages­po­li­tik nicht eher schwächt. Denn wenn dem Ein­zel­nen das Gefühl gege­ben wird, nichts zum Bes­se­ren ver­än­dern zu kön­nen, ist das demo­kra­ti­sche Sys­tem zum Schei­tern verurteilt.