Am 10. Sep­tem­ber fin­det die all­jähr­li­che Demo für Frei­heits­rechte und gegen Über­wa­chung, die Frei­heit statt Angst statt. Los geht es um 13 Uhr am Bran­den­bur­ger Tor. Die JuPis sind wie­der mit dabei:

Wir haben sie gefan­gen, die Terrorsau!

Zehn Jahre lang wurde sie von rück­sichts­lo­sen Poli­ti­kern durchs Dorf getrie­ben, ohne Rück­sicht auf ihre schwin­den­den Kräfte. Sie ist ganz erschöpft, kann gar nicht mehr sel­ber lau­fen und wird daher jetzt von uns fei­er­lich zur let­zen Ruhe getra­gen. Lasst uns zurück­bli­cken auf ihre lange Qual und uns besin­nen, was wir haben gesche­hen las­sen:

2001/02: Schon im Kin­des­al­ter, ganz wacke­lig auf den Bei­nen, war die Sau auf der Flucht: Die Hatz nach dem 11. Sep­tem­ber dau­erte Monate an und trieb die Sau durch sämt­li­che Dör­fer der Repu­blik. Sol­da­ten zogen in den Krieg, um Ter­ror­säuen auf der gan­zen Welt den Gar­aus zu machen. Es gab keine Ver­schnauf­pause, bis die Poli­tik mit den Anti-Terror-Gesetzen vom Januar 2002 sicher­ge­stellt hatte, dass keine Sau mehr undurch­leuch­tet Flug­zeuge bestei­gen würde und Sicher­heits­be­hör­den sich zur Vieh­trei­be­rei zusam­men­tun konnten.

2003/04: Doch die Jagd auf die Sau hatte Methode: Poli­ti­ker aller Par­teien trie­ben sie wei­ter, bis sich alle sicher waren, ein gemein­sa­mes Ter­ror­ab­wehr­zen­trum müsse her. Und da Sau­trei­be­rei auf öffent­li­chen Stra­ßen ganz schön gefähr­lich wer­den kann, waren Ein­sätze der Bun­des­wehr im Innern plötz­lich mög­lich – ja, geboten!

2005/06: Immer wie­der gab es Sorge, die Sau könne sich ein­mal ver­ste­cken, um ein paar Momente der Ruhe zu genie­ßen. Unvor­stell­bar! Zur bes­se­ren Ver­fol­gung der Sau wurde ihr kur­zer­hand ein bio­me­tri­scher Pass ver­passt und ihr Huf­ab­druck in einer gehei­men Anti-Terror-Datei gespeichert.

2007/08: Das allein aber reichte nicht aus, die Sau musste auch im All­tag lücken­los ver­folgt wer­den kön­nen, um die Jagd immer wie­der auf­zu­neh­men, sollte sie mal aus den Augen gera­ten. Vor­rats­da­ten­spei­che­rung und eine ein­deu­tige Steue­ri­den­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer soll­ten da gute Dienste leisten.

2009/10: Immer wie­der kamen neue schreck­li­che Details ans Licht: Um der Jagd zu ent­rin­nen, trug die Sau nun immer häu­fi­ger Klei­dung, oder blieb ganz zuhause und surfte im Inter­net. Dort konnte sie sogar unse­ren Kin­dern gefähr­lich wer­den! Eine fin­dige Poli­ti­ke­rin schlug vor, sie mit Netz­sper­ren im Zaum zu hal­ten, und wenn sie sich wie­der ins Freie traute, war­te­ten auch schon die Nacktscan­ner, um ihre Sau­heit zu ent­hül­len. Die EU bewil­ligte schnell noch ein paar For­schungs­gel­der, um mit INDECT end­lich alle Säue im öffent­li­chen Raum zu überwachen.

2011: Seit zehn Jah­ren nun wird die Ter­ror­sau durchs Dorf getrie­ben. Dank Internet-Klarnamenpflicht weiß bald jeder im Netz, dass du eine Sau bist. Wenn das Netz nicht kur­zer­hand mit dem Kills­witch aus­ge­knipst wird.

Es war ein Akt der Gnade, dass wir die Sau gefan­gen haben. Sie ist nicht mehr zu ret­ten, der Scha­den ist ange­rich­tet. Aber wir tun ihr und uns etwas Gutes, wenn wir sie nun end­lich zu Grabe tra­gen. Auf der Akti­ons­flä­che der Jun­gen Pira­ten auf der Frei­heit statt Angst am 10.09.2011 könnt Ihr der Ter­ror­sau die letzte Ehre erweisen.


Bild [CC by 3.0] by Frei­heit statt Angst