Einträge aus der Kategorie 'Kommentare'

Julia Reda - Kommentare, Politik, Terrorismus, Überwachung - 30. Juni 2011 - Kommentare deaktivierthttp://jupis.de/Nup

Der lange Arm der Terrorgesetze

Der Staub der Twin Towers hing noch in der Luft, als man uns Ende 2001 erklärte, ein Anti-Terror-Paket mit neuen Befug­nis­sen für die Sicher­heits­be­hör­den und Frei­heits­ein­schrän­kun­gen für die Bür­ger müsse her, um uns in die­ser völ­lig neu­ar­ti­gen Bedro­hungs­lage zu schüt­zen. Nie­mand könne die Not­wen­dig­keit bestrei­ten, per­sön­li­che Abstri­che zu machen, lang­wie­rige Flug­ha­fen­kon­trol­len über sich erge­hen und den Staat ein Stück wei­ter in die eige­nen vier Wände zu las­sen. Grund­rechts­pa­ra­noia ist in die­ser Not­lage unan­ge­bracht, und keine Sorge, die im Rekord­tempo in Kraft gesetz­ten Ter­ror­ge­setze sind ja befris­tet! Bis die Bedro­hung vor­bei ist.

Dass die­ses Ende der Bedro­hung, die über die Jahre in Rea­li­tät und poli­ti­scher Rhe­to­rik immer abs­trak­ter wurde, nie kom­men würde, schwante uns schon bei der Ver­län­ge­rung des Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fungs­ge­set­zes 2007. Nun hat sich die Regie­rung erneut auf die weit­ge­hende „Ver­län­ge­rung“ des Anti-Terror-Pakets geei­nigt. Die Begrün­dung ist so ein­fach wie per­fide: Geschieht ein Ter­ror­an­schlag, beweist das die Not­wen­dig­keit der Ter­ror­ge­setze. Geschieht nichts, ist das dem Erfolg der Gesetze geschul­det. Dass mit der Anti­ter­ror­da­tei tau­sende Men­schen ohne belas­tende Anhalts­punkte unter Gene­ral­ver­dacht gestellt wer­den und allein durch die ver­län­ger­ten War­te­zei­ten an Flug­hä­fen ein kaum zu bezif­fern­der wirt­schaft­li­cher Scha­den ent­steht, wäh­rend kaum hand­feste Ermitt­lungs­er­folge vor­zu­wei­sen sind, spielt dabei keine Rolle.
(mehr…)



Julia Reda - Bildung, Internetkultur, Jugendschutz, Kommentare, Politik - 25. Dezember 2010 - 8 Kommentarehttp://jupis.de/7ya

Ist der JMStV zu retten?

Auf­at­men: Die geplante und von den JuPis aus­führ­lich kri­ti­sierte Neu­fas­sung des Jugend­me­di­en­schutz­staats­ver­trags ist kürz­lich am nordrhein-westfälischen Land­tag geschei­tert – wenn auch nicht aus inhalt­li­chen Grün­den, son­dern am Par­tei­en­ge­scha­cher. Auf Grün­Di­gi­tal wünscht sich die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tabea Röß­ner zu Weih­nach­ten kon­struk­tive Vor­schläge, wie der JMStV refor­miert wer­den kann. Ein durch­aus löb­li­ches Unter­fan­gen, schließ­lich birgt das Ver­trags­werk nach wie vor eine ganze Reihe gru­se­li­ger Rege­lun­gen: Nicht nur die völ­lig welt­frem­den Internet-Sendezeitregelungen, son­dern sogar die Mög­lich­keit von Netz­sper­ren fin­det sich in der aktu­ell gül­ti­gen Ver­sion des JMStV.

Bedenk­lich ist aller­dings die Art der Vor­schläge, die Grün­Di­gi­tal hier­bei im Auge hat:

Des­halb hier ein ers­ter Auf­ruf: Wan­delt Eure Kri­tik in kon­struk­tive Vor­schläge um! Teilt uns Eure Ideen mit, wie wir gewähr­leis­ten kön­nen, dass Kin­der aktiv, aber geschützt vor Por­no­gra­fie, Gewalt und der­glei­chen am WWW teil­ha­ben kön­nen. Ich bitte vor allem Netz-Aktive mit Kin­dern, sich zu betei­li­gen und über ihre eige­nen Erfah­run­gen zu berichten.“

Die­ser Auf­ruf, obwohl zwei­fel­los gut gemeint, geht am eigent­li­chen Pro­blem des JMStV vor­bei. Zwar ist es sinn­voll, nach dem geschei­ter­ten Ände­rungs­ver­trag pro­ak­tiv Ein­fluss auf den sicher fol­gen­den nächs­ten Anlauf zur Reform des JMStV zu neh­men, aber „wie wir gewähr­leis­ten kön­nen, dass Kin­der aktiv, aber geschützt vor Por­no­gra­fie, Gewalt und der­glei­chen am WWW teil­ha­ben kön­nen“ ist dabei eben nicht die bren­nende Frage.
(mehr…)



Julia Reda - Bildung, Kommentare, Politik - 11. Juli 2010 - 11 Kommentarehttp://jupis.de/831

Mündige Bürger unerwünscht?

Bun­des­re­gie­rung spart an poli­ti­scher Bildung

Poli­tik­ver­dros­sen­heit“ lau­tet der Name des Schreck­ge­spens­tes, das von Poli­tik, Medien und Päd­ago­gen immer wie­der gern beschwo­ren wird. Durch schwin­den­des Ver­trauen in die Tages­po­li­tik und feh­len­des Ver­ständ­nis der poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen sei die Demo­kra­tie selbst in Gefahr.

Grundgesetze von der bpbUmso mehr tref­fen die Pläne der Bun­des­re­gie­rung bei den Jun­gen Pira­ten auf Unver­ständ­nis, aus­ge­rech­net am Bud­get der Bun­des­zen­trale für Poli­ti­sche Bil­dung mas­sive Kür­zun­gen vor­zu­neh­men. Bis 2011 sol­len über 6,5 Mil­lio­nen ein­ge­spart wer­den, was mehr als 15% des Gesamt­etats ent­spricht. Wei­tere 9,6 Mil­lio­nen plant das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­rium bis 2013 zu strei­chen.
(mehr…)



Julia Reda - Jugendschutz, Killerspiele, Kommentare, Politik - 1. Juli 2010 - 14 Kommentarehttp://jupis.de/opivc

Wer schützt uns vor den Jugendschützern?

Als die Jun­gen Pira­ten zu Beginn die­ses Jah­res in der Main­zer Staats­kanz­lei ihre Kri­tik an der geplan­ten Ände­rung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV-E) vor­tru­gen, war der zustän­dige Staats­se­kre­tär Sta­del­maier um Beschwich­ti­gung bemüht. Zahl­rei­che Beden­ken bezüg­lich der Umsetz­bar­keit und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der geplan­ten Maß­nah­men wür­den sich spä­tes­tens mit Ver­öf­fent­li­chung der amt­li­chen Begrün­dung der Ver­trags­no­velle erübrigen.

Das Gegenteil von Freiheit ist Gesetz

Die Begrün­dung liegt nun, Monate spä­ter, end­lich vor. Ent­war­nung kann jedoch keine gege­ben wer­den. Viel­mehr ent­spricht die Inter­pre­ta­tion wei­test­ge­hend genau dem, was der Ver­trags­text befürch­ten ließ. Eine Ent­schär­fung fin­det durch die Begrün­dung nicht statt. Auf die umfas­sende Kri­tik der Zivil­ge­sell­schaft an dem Ver­trags­werk wurde nicht ein­ge­gan­gen.
(mehr…)



admin - Kommentare - 30. August 2009 - 8 Kommentarehttp://jupis.de/mq8

Distanzierung der JuPis von der Zerstörung des Jusos Standes auf Folklore in Wiesbaden

In der Nacht vom 29. auf den 30. August wurde ein Stand der Jusos auf dem Folk­lore Fest in Wies­ba­den durch die Wit­te­rung zer­stört.  Als die Jusos aus Wies­ba­den heute mor­gen anka­men, pöbel­ten sie Mit­glie­der der JuPis an und beschul­dig­ten sie der Zer­stö­rung ihres Stan­des. „Wir ver­kla­gen euch!“, so ein jun­ges Jusos Mit­glied. Außer­dem droh­ten sie im Falle von Video­auf­nah­men eben­falls mit einer Klage. Es han­delte sich dabei wohl­ge­merkt um eine öffent­li­che Veranstaltung.

3 Augen­zeu­gen, davon ein unab­hän­gi­ger, haben die Zer­stö­rung des Stan­des durch den Wind mit­be­kom­men. So hat eine schwere Platte, die die Jusos an ihrem Stand befes­tigt haben, zur Ver­bie­gung ihrer Stan­gen beigetragen.

Wir ver­ur­tei­len das Ver­hal­ten der Wies­ba­de­ner Jusos aufs Schärfste. Sie bezich­ti­gen uns einer Straf­tat, und ver­su­chen so, ihr eige­nes Fehl­ver­hal­ten zu überspielen.



admin - Internetkultur, Kommentare, Lobbyismus, Politik, Überwachung, Zensur - 28. August 2009 - Kommentare deaktivierthttp://jupis.de/1ro

Internetentzug für „Filesharer“: Auch in Großbritannien die falsche Lösung – Vorsicht vor falschen Schritten in Deutschland

Wie berich­tet wurde, plant nun auch Groß­bri­tan­nien, als sog. „Raub­ko­pie­rer“ ver­ur­teilte Bür­ger von der Par­ti­zi­pa­tion am Inter­net aus­zu­schlie­ßen. [1] Die Jun­gen PIRATEN sehen in die­sen Bestre­bun­gen einen gefähr­li­chen Trend, wel­cher nach dem Vor­bild der mas­siv kri­ti­sier­ten „Netz­sper­ren“ durch das Zugangs­er­schwe­rungs­ge­setz allzu leicht auch auf Deutsch­land überg­rei­fen könnte! Vor der­ar­ti­gen Schrit­ten in die fal­sche Rich­tung möch­ten die Jun­gen Pira­ten warnen!

Das Inter­net ist, beson­ders für die junge Gene­ra­tion, ein Teil des öffent­li­chen Lebens gewor­den. Die Ent­wick­lung zu die­sem, neu­er­dings als „Web 2.0“ bekann­ten Phä­no­men ver­lief, gemes­sen an ande­ren kul­tu­rel­len Revo­lu­tio­nen, sehr rasant und so ist es kaum ver­wun­der­lich, das viele Mög­lich­kei­ten, die sich durch ein welt­wei­tes Netz­werk bie­ten, nicht in aus­rei­chen­dem Maße recht­lich abge­deckt sind. Gerade das Thema „File­sha­ring“ sorgt nicht nur in der Poli­tik für Kon­tro­ver­sen. Erschre­ckend ist hier­bei nach Ansicht der Jun­gen PIRATEN, dass hoch­ran­gige Poli­ti­ker aller Par­teien die Rea­li­tä­ten des Inter­nets heute immer noch nicht erkannt haben.

Dabei igno­rie­ren nicht nur sowohl Frank­reich als auch Groß­bri­tan­nien — offen­bar unter dem Druck der Musik­in­dus­trie — die Gründe für die unter dem Kampf­be­griff „Raub­ko­pie“ zusam­men­ge­fass­ten Nut­zungs­rechts­ver­let­zun­gen: Nut­zer, Pri­vat­leute ohne kom­mer­zi­elle Inter­es­sen, wer­den auch Deutsch­land in hohem Maße kri­mi­na­li­siert, weil sie einem Ver­wer­ter die Geld­mit­tel, die sie dem Urhe­ber für seine Werke zur Ver­fü­gung stel­len wol­len, nicht mehr zubil­li­gen möch­ten. Künst­ler erhal­ten durch die Musik– und Film­in­dus­trie nur einen ver­schwin­den­den Bruch­teil des Pro­fits ver­kauf­ter Werke, ob auf phy­si­ka­li­schen Daten­trä­gern ver­kauft oder im Inter­net ange­bo­ten. Nach Mei­nung der Jun­gen PIRATEN ist es der fal­sche Schritt, an einer sol­chen über­al­ter­ten Struk­tur fest­zu­hal­ten und statt­des­sen dem Vor­bild vie­ler Künst­ler zu fol­gen, und ein auch zukünf­tig trag­fä­hi­ges Kon­zept für erfolg­rei­che wirt­schaft­li­che Ver­wer­tung ohne Ein­schrän­kung (und Kri­mi­na­li­sie­rung!) des Nut­zers zu entwickeln.

Die Andro­hung und Durch­set­zung dra­ko­ni­scher Stra­fen wie Frei­heits­ent­zug hilft dabei in kei­ner Weise bei der Lösung die­ser Pro­bleme! Des­we­gen rufen die Jun­gen PIRATEN die eta­blier­ten Par­teien, die Künst­ler und Nut­zer auf, zusam­men mit der Pira­ten­par­tei und den Jun­gen PIRATEN Lösungs­an­sätze zu ent­wi­ckeln, die für alle direkt betei­lig­ten Men­schen ver­tret­bar sind!

Weder eine Inhaf­tie­rung, der Frei­heits­ent­zug „off­line“, noch der Aus­schluss vom digi­ta­len Leben, Ler­nen, Dis­ku­tie­ren und Kom­mu­ni­zie­ren, der Frei­heits­ent­zug „online“ durch Ver­bot der Inter­net­nut­zung hel­fen effek­tiv, das gesell­schaft­li­che Phä­no­men nahezu kol­lek­ti­ver Urhe­ber– und Nut­zungs­rechts­ver­let­zun­gen zum Wohle der Gesell­schaft zu lösen. Sol­che Maß­nah­men der Straf­ver­fol­gung gefähr­den durch mas­sive Ver­let­zung der Netz­neu­tra­li­tät nicht nur das Wesen des Inter­nets an sich, son­dern beinhal­ten außer­dem, ein­mal ein­ge­führt, die imma­nente Gefahr einer noch viel stär­ker rechts­staats­wid­ri­gen Aus­wei­tung auf the­men­ver­wandte Gebiete. Die Trends aktu­el­ler Inter­net– und Jugend­po­li­tik betrach­tend, ist es bis zu einer For­de­rung nach einem Com­pu­ter und Inter­net­nut­zungs­ver­bot für Spie­ler von First-Person-Shootern (sach­fremd auch als „Kil­ler­spiele“ bezeich­net) nicht mehr weit.

Die Jun­gen PIRATEN for­dern daher dazu auf, sich klar gegen der­ar­tige Maß­nah­men im Straf­voll­zug aus­zu­spre­chen und die Vor­ha­ben der EU-Mitgliedsstaaten Frank­reich und Groß­bri­tan­nien scharf zu kri­ti­sie­ren. Der deut­sche Rechts­staat kann der­ar­tige unbe­grün­dete Ein­schrän­kun­gen der per­sön­li­chen und kol­lek­ti­ven Frei­heit nicht mit sei­ner frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung vereinbaren!

[1] Ein sol­cher Vor­gang könnte „Shar­er­blo­cking“ genannt werden.



admin - Killerspiele, Kommentare - 3. Juli 2009 - 4 Kommentarehttp://jupis.de/5cn

Unterstützt die Petition gegen das Paintball-Verbot!

Der Peti­tion gegen ein Ver­bot des Paintball-Sports feh­len bis jetzt noch über der Hälfte der Mit­zeich­ner, um im Peti­ti­ons­aus­schuss des deut­schen Bun­des­ta­ges ange­hört zu wer­den. Wir als JuPis unter­stüt­zen natür­lich die Peti­tion und rufen euch dazu auf, sie mit­zu­zeich­nen und ein Zei­chen gegen sinn­lose Ver­bote zu set­zen. Zeich­net jetzt mit, bevor die Mit­zeich­nungs­frist ausläuft!

Fol­gen­des Wer­be­vi­deo für die Peti­tion stammt von Space­balls und Beas­tie­ballz und ist auch auf Youtube und als mpg-Datei verfügbar.



admin - Internetkultur, Jugendschutz, Kommentare, Politik, Zensur - 18. Mai 2009 - 4 Kommentarehttp://jupis.de/3ig

Auch der CCC ist mit uns: Gegen Internetsperren

Leicht ver­spä­tet, aber immer­hin: Der Chaos Com­pu­ter Club hat sich gegen die Inter­net­sper­ren und für die Online-Petition ausgesprochen.

Der Chaos Com­pu­ter Club emp­fiehlt jedem Bür­ger: Mit­zeich­nen! Denn die hier geplan­ten gehei­men Fil­ter­maß­nah­men füh­ren eine unver­hoh­lene Internet-Zensur in Deutsch­land ein.“

Ein­fach wird auf den Punkt gebracht: Das geplante Gesetz ist eine Kata­stro­phe.
„Dem Miss­brauch ist hier Tür und Tor geöff­net, recht­staat­li­che Kon­trolle nicht vor­ge­se­hen. Die Zah­len, mit denen das Gesetz durch­ge­drückt wer­den soll, ent­beh­ren aller­dings jeder Grund­lage. Auch angeb­li­che Erfolgs­ge­schich­ten aus ande­ren Län­dern sind frei erfunden.“

So ruft der CCC die mün­di­gen Bür­ger des Lan­des auf:
„Infor­miert Euch über die wirk­li­chen Fak­ten und lasst Euch nicht durch unbe­wie­sene Zah­len­spie­le­reien und Unwahr­hei­ten beein­dru­cken. Wenn Ihr auch nicht wollt, dass die Inter­net­aus­dru­cker heim­lich belie­bige miß­lie­bige Sei­ten in unse­rem Netz zen­sie­ren, anstatt die wirk­lich ille­ga­len Inhalte mit recht­staat­li­chen Mit­teln zu ent­fer­nen, dann wer­det jetzt aktiv! Tragt das Anlie­gen auch in Eure Ver­wandt­schaft und in die breite Öffent­lich­keit an Eurer Uni oder Schule und stellt Euch zum Unter­schri­fen­sam­meln in die Fußgängerzone.“

So stellt sich die Netz­ge­meinde gegen Zen­sur, Repres­sion, geis­tige Unter­drü­ckung und die Bestre­ben des Staa­tes, die Frei­heit zu beschrän­ken. So ist es gut, so muss es bleiben.

Quelle des Auf­rufs: http://ccc.de/updates/2009/aufruf-petition
– Texte ori­gi­nal übernommen -

Kon­tro­verse Mei­nung:
Was aber bleibt ist den­noch, dass wir alle von der Ent­wick­lung sehr über­rascht wur­den. Der Staat kann jeder­zeit agie­ren und neue Gesetze ein­füh­ren, wir kön­nen nur rea­gie­ren und dage­gen pro­tes­tie­ren. Viel­leicht soll­ten wir uns als Junge Pira­ten dafür ein­set­zen, das zu ändern. Netz­neu­tra­li­tät über einen Gesetz­ent­wurf ent­spre­chend der juris­ti­schen Grund­la­gen ein­fü­gen zu las­sen oder sogar über eine Online-Petition zu ver­su­chen, ins Grund­ge­setz zu fügen, könnte ein Ver­such sein. Dafür kön­nen wir Jun­gen Pira­ten die Grund­lage oder der Start­punkt für eine Debatte sein. Diese müsste aber gut geführt wer­den und das wei­tere Vor­ge­hen müsste sehr gut vor­be­rei­tet sein.

Anmer­kung: Ich per­sön­lich denke bei Aktion und Reak­tion in der Poli­tik immer gerne an die Fürs­ten und die libe­rale Bewe­gung. Die Libe­ra­len waren pro­gres­siv, bra­chen immer neue Ideen und agier­ten letzt­lich. Die Fürs­ten waren kon­ser­va­tiv und muss­ten so unter­lie­gen. Das Pro­blem ist, dass heute die Kon­ser­va­ti­ven die Aktion bil­den, nicht mehr wir, die frei­heit­li­chen Menschen.



admin - Kommentare, Politik, Überwachung - 27. April 2009 - Kommentare deaktivierthttp://jupis.de/0zu

Zukunftsdiskussion: Wie stehen wir zu Überwachung der Körper– und Organfunktionen?

Die Frage könnte in weni­gen Jah­ren wesent­lich wer­den: Die Minia­tu­ri­sie­rung der Com­pu­ter­tech­no­lo­gie wird in abseh­ba­rer Zeit einen Punkt errei­chen, an dem der Begriff Nano­tech­no­lo­gie zum Tra­gen kom­men wird. Die dadurch ent­ste­hen­den Mög­lich­kei­ten soll­ten uns bereits heute bewusst sein.

Vor­stell­bar wäre natür­lich die rein medi­zi­ni­sche Erhe­bung von rele­van­ten Daten bei Risi­ko­pa­ti­en­ten. Die Daten wür­den inner­halb des Kör­pers ermit­telt, an einen außen am Kör­per befind­li­chen Appa­rat gemel­det, der wenn nötig eine Ver­bin­dung zur zustän­di­gen Gesund­heits­in­sti­tu­tion auf­baut. Ins­be­son­dere für Rent­ner und für die Früh­er­ken­nung von Schlag­an­fäl­len oder Herz­in­fark­ten könn­ten sich unge­ahnte Mög­lich­kei­ten auftun.

Ande­rer­seits wäre es pro­blem­los mög­lich, über Ver­däch­tige unbe­merkt Infor­ma­tio­nen zu sam­meln. Ein­mal ein­ge­pflanzte Robo­ter könn­ten abhän­gig von der kör­per­li­chen Akti­vi­tät ent­we­der Infor­ma­tio­nen sen­den oder sogar den Kör­per auf Befehl oder prä­ven­tiv aus­schal­ten. Weni­ger wich­tig als die Betrach­tung vom Punkt Daten­schutz aus wäre hier die Betrach­tung von Sei­ten der Menschenwürde.

Eben­falls denk­bar wäre aber eine Kran­ken­kasse, die ein prä­ven­ti­ves Über­wa­chungs­sys­tem instal­liert und dafür finan­zi­elle Vor­teile bie­tet. Der Kunde wird zu sei­ner eige­nen Sicher­heit über­wacht, der Arzt kann bei Pro­ble­men bereits früh­zei­tig ein­sprin­gen – aller­dings könn­ten auch Pro­file für den Alko­hol­kon­sum, für die kör­per­li­chen Akti­vi­tä­ten erstellt wer­den, Stress­fak­to­ren auf­ge­zeich­net wer­den. Men­schen mit nega­ti­ven Pro­fi­len könn­ten pro­blem­los aus­ge­son­dert wer­den, indem nach der Lauf­zeit die Ver­träge nicht ver­län­gert wer­den. Ein defi­ni­tiv beängs­ti­gen­des Szenario.



admin - Kommentare, Politik, Überwachung - 27. April 2009 - Kommentare deaktivierthttp://jupis.de/6qu

Das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme (vgl. S. 18)

Die­ses Grund­recht war mir vor­her nicht bekannt – und das, obwohl es schon über ein Jahr alt ist. Am 27. Februar wurde es als Aus­prä­gung des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts ein­ge­führt, feder­füh­rend ist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. (vg. 1 BvR 370/07).

Das Ziel ist es, die Bür­ger vor neuen Gefah­ren, die mit der Benut­zung von tech­ni­schen Gerä­ten, ins­be­son­dere von ver­netz­ten, mobi­len und mul­ti­funk­tio­na­len, ver­bun­den sind, zu schüt­zen. Gel­tungs­be­reich des Grund­rech­tes sind dabei „alle infor­ma­ti­ons­tech­ni­schen Sys­teme, die – allein oder ver­netzt – umfäng­li­che oder aus­sa­ge­kräf­tige per­so­nen­be­zo­gene Daten ent­hal­ten kön­nen.“ (S. 18). Es ist für die Gel­tung des Geset­zes aus­rei­chend, wenn das Sys­tem die Daten ver­ar­bei­ten kann, dass es sie ent­hält ist nicht notwendig.

Ziel des Grund­rech­tes ist, das Ver­trauen der Benut­zer über das Sys­tem, also über seine Funk­tio­nen, Leis­tun­gen und Inhalte bestim­men zu kön­nen, zu schüt­zen. Bei der Mög­lich­keit des Zugriffs Drit­ter ist das Grund­recht damit gebro­chen, unab­hän­gig von des dafür nöti­gen Aufwandes.

Somit sind sowohl der Staat als auch die Her­stel­ler sämt­li­cher infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­ten­der Sys­teme in der Pflicht. Das Ver­schlep­pen von Män­geln bei­spiels­weise sei­tens von Ban­ken betreffs Online-Banking ist somit nicht nur eine extreme Fahr­läs­sig­keit und Unver­ant­wort­lich­keit, son­dern bricht außer­dem noch ein Grundrecht.

Wir als Infor­ma­ti­ker wis­sen natür­lich, dass kein Sys­tem unan­greif­bar sein kann, wes­halb hier nur von einem „dyna­mi­schen, d.h. Fort­wäh­ren­dem Pro­zess“ (S. 19) die Rede sein kann.

Aller­dings kann Mensch in Kom­mu­ni­ka­tion mit Insti­tu­tio­nen sich nun­mehr auf das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und sein gutes Recht berufen.



Nächste Seite »