Spitzenkandidatenserie — Teil vier: Axel Mehldau
Da ist er: Teil vier! Axel Mehldau ist Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Brandenburg und außerdem Piratenkandidat. Der nun dritte Teil über Spitzenkandidaten über die “OPis” versucht, sich ihm per Interview zu nähern. So soll den Jungen Piraten und interessierten Menschen ein besserer Einblick in die Fülle von Kandidaten gegeben werden, die vom Bundestag träumen — ob zurecht, werden wir sehen. Denn nächsten Sonntag ist Bundestagswahl!
Bis zur Bundestagswahl werden wir so viele Antworten wie möglich für euch veröffentlichen.

Name: Axel Mehldau
Landesverband: Brandenburg
Profil: Hier
Wir glauben an die Selbstbestimmung, wie auch an die persönliche Freiheit, die uns jetzt nach und nach weg genommen wird. Wir wollen nicht noch mehr kontrolliert, manipuliert, kommandiert, angeschmiert, ausgetrickst, abgezockt, belogen und gesteuert werden.
Interview mit Axel Mehldau
Persönlich:
Wie heißt du, wie alt bist du und was machst du beruflich?
Mein Name ist Axel Mehldau.
Ich bin jetzt noch 49 Jahre jung.
Bin seit 1999 in einem Industrieverband als Systemadministrator beschäftigt.
Hast du Familie und Kinder?
Ja, ich habe Familie: bin verheiratet und habe 3 erwachsene Töchter.
Wie und wann hast du von den Piraten erfahren und warum bist du ihnen beigetreten?
Eigentlich hatte ich nach der Wiedervereinigung Deutschlands durch die Auswirkungen des sogenannten Einigungsvertrages auf die Wirtschaft und die Bevölkerung in der ehemaligen DDR die Nase gestrichen voll. Liebäugelte mit einer Auswanderung aus Deutschland. Im März/April 2008. Las ich im Internet von den Zielen der Piraten, der Internationalität, das Programm sowie auch die Satzung. Hier fand ich mich wieder. Mein Kollege füllte schon stumm einen Mitgliedsantrag aus und hat ihn im Mai 2008 an die Piraten gefaxt. Nach etwa einer Woche, auch noch im Mai, war auch ich so weit.
Ich habe mir gesagt nur meckern kann nicht meine Zukunft sein. Einfach das Land verlassen, auch nicht.
Bist Du Mitglied in einer anderen Partei oder warst es?
Nein
Zur politischen Vergangenheit:
Bisher war ich, seit meiner Jugend, immer politisch und geschichtlich sehr interessiert. Habe jede Menge über die deutsche Geschichte gelesen. Engagiert aber, habe ich mich nicht. Erst seit der Veränderungen in Deutschland, meinem persönlichem Lebenslauf nach der Widervereinigung, dem immer deutlicher werdenden Veränderungen in der Politik seit der Regierung mit Bundeskanzler Helmut Kohl, habe ich gespürt, dass ich mich einmischen muss.
Warum hast du dich zur Bundestagswahl aufstellen lassen?
Hierzu kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Bei unserer Landesverbandsgründung waren wir im Oktober 2008 genau 7 aktive Piraten. Jeder von uns bekam eine Funktion. Da ich der älteste war, meinten sie, ich solle doch den Vorsitz übernehmen. Da habe ich ja gesagt. Auf unserem 1. Parteitag wurden dann die Kandidaten nominiert. Hier waren wir zwar ein paar Piraten mehr, aber auch hier hatte man das Vertrauen in mich.
Wenn du ein Mandat bekommst, wie kannst du das mit deinem Beruf vereinbaren?
Genau das wird nicht gehen. Ich glaube dass das Einmischen in die jetzige Politik so viel Anstrengung und vor allem Zeit und Geduld benötigt, dass die gesamte Zeit dafür drauf gehen wird. Und das sind wir Piraten auch den Hoffnungen unserer Wähler schuldig.
Politisch
Welche Aufgaben übernimmst du für die Piratenbewegung, was sind deine Interessen und
Tätigkeiten dabei?
Ich sehe meine Aufgabe in der Koordinierung und Ideenfindung, gemeinsam mit dem gesamten Vorstand des Landesverbandes, zum Aufbau einer festen Struktur, der Organisation und Motivation der neuen Piraten. Kanalisieren der Aktivitäten. Ich bin das Gesicht nach außen. Ansprechpartner für die Presseanfragen. Interesse habe ich auch an den persönlichen Kontakten zu den Piraten.
Was würdest du als das Wichtigste ansehen, das du als Parlamentarier bewegen kannst?
Ich könnte für die Piraten und die Menschen die ihr Vertrauen in die Piraten gesetzt haben eine Stimme sein. Die Regierungskoalition mit Anfragen und Einsprüchen auf Mängel hinweisen, Diskussionen über Fehlentscheidungen entfachen, andere Parlamentarier versuchen zu überzeugen, dass solche Gesetze wie Hartz und Vorratsdatenspeicherung ein Fehler waren und diese korrigiert gehören.
Was würdest du als das Wichtigste ansehen, das du als Parlamentarier im Bereich
Grundrechte bewegen kannst?
Das Grundgesetz ist als Ergebnis des zweiten Weltkrieges und der unsäglichen Leiden für alle Völker und Menschen entstanden. Hier sollte nicht weiter modifiziert werden, um anschließend Gesetze zu verabschieden, die das Volk immer weiter von Freiheit und Gerechtigkeit, sowie von Lebensqualität abtrennen. Das möchte ich gern helfen zu verhindern.
Was würdest du als das Wichtigste ansehen, das du als Parlamentarier im Bereich
Jugendpolitik bewegen kannst?
Hier liegt leider schon viel im Argen. Ein Arbeitsfeld so weit das Auge reicht. Die Kinder und Jugendlichen haben in diesem Lande wohl kaum eine Lobby. Immer wieder wird festgestellt, dass Kindern aus Geldmangel das Pausenbrot nicht mitgegeben werden kann. 2.500.000 Kinder leben in Armut. Die Unterschiede im Ausbildungsniveau. Die Angebote zur Freizeitgestaltung, die derartig viel Geld kosten, dass eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die meisten unmöglich ist. Wir müssen uns dafür Einsetzen, dass die Gelder der Bürger aus Steuern weniger für Subventionen und Verschwendung eingesetzt werden. Hier sehe ich jede
Menge Potenzial. Z.B. für kostenlose Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche, wie kostenlose Mitgliedschaften in Sportvereinen, Tanzschulen, außerschulischen Musik– und Kunstunterricht, kostenlosem Schulessen, Kostenbefreiung für Klassenfahrten, einer Bildungspolitik, die auch echte Chancengleichheit für alle Kinder bietet, egal aus welcher sozialen Schicht sie stammen. Ich bin für eine Elitenbildung, doch nur wegen des Könnens und nicht wegen der Geburt!
Wenn du als Pirat Teil einer Regierungskoalition werden könntest, mit wem würdest du am
liebsten koalieren?
Das wird immer eine Teamentscheidung sein. Meine persönliche Sicht der Dinge wird nicht allein maßgebend sein, ich würde mich aber schon mit einbringen. Koalitionsverträge sind meist Kompromisse. Jeder der Verhandlungsparteien wird Zugeständnisse machen müssen. Immer bis zu einem gewissen Grad ist so etwas möglich. Parallelen zu unseren Zielen und Ideen sehe ich bei einigen Parteien. Einige unserer Ideen und Ziele wurden auch schon von anderen Parteien kopiert und modifiziert. z.B. bei den Grünen und der FDP. Auch bei den Linken ist das in Brandenburg schon in einem Kreis geschehen. Die Kulturflatrate wird diskutiert, Bürgergeld wird diskutiert, die Einschränkungen der persönlichen Freiheiten, die Zensur im Internet und viele andere Dinge sind schon Parteiübergreifend im Gespräch. Ich glaube das mit der Koalition wird erst noch interessant. Wie weit können sich die Parteien aufeinander zu bewegen. Auch wir Piraten werden eine Menge bewegen können, wenn wir einig sind und offen auch für neue Ideen, bereit dazu zu lernen. Bei der CDU/CSU und den rechten Parteien, kann ich mir im Moment keine Koalition vorstellen. Wobei die SPD im Moment für mich auch nicht koalitionsfähig wäre.
Was sagst Du zu der Ansicht, die Piratenpartei hätte sich nicht deutlich genug vom Rechtsextremismus distanziert?
Wer vertritt denn so eine absurde Meinung? Die Piraten sind vielleicht ein buntes Völkchen, aber sie sind freiheitlich demokratisch, und keineswegs irgendwo rechtsextrem und national gleich gar nicht. Sie gibt es international. In einer Anzahl Länder schon gegründet. Sie setzen sich in ihren Diskussionen für die Bürgerrechte ein, für die persönliche Freiheit und den Schutz der Privatsphäre. Sie kämpfen für freies Wissen, für alle die im Internet gegen die drohende Zensur sind. Also ich kann keinen Extremismus in irgendeine Richtung erkennen.
Weder nach Rechts noch nach Links.
Was sagst du zu der Ansicht, die Piratenpartei würde sich nicht ausreichend gegen illegales Filesharing, welches die Künstler schädigt, aussprechen?
Die Piratenpartei Deutschland verfolgt das Ziel, künstliche Monopole abzubauen. Diese entstehen nur deshalb, weil z.B. die Künstler und Kulturschaffenden über die Verlage, Labels und Verwertungsgesellschaften mit Verträgen um einen großen Teil ihrer Vergütung gebracht werden. Das Filesharing im Internet ist nur eine neue Form von Tausch. Man besucht sich nicht mehr, wie früher einmal, zum Platten hören, trifft sich nicht mehr bei Tauschbörsen. Meine Meinung ist, dass Tauschen ein Jahrhundert altes Menschenrecht ist. Das gehört nicht abgeschafft, sondern als normal angesehen und geduldet. Das Tauschen bringt auch nicht die Kulturschaffenden um die ihnen zustehenden Honorare. Die Lösung ist nach wie vor umstritten. Heute schon werden alle möglichen Abgaben auf Kopierer etwa und CD-Player, Rohlinge, Recorder und so weiter erhoben. Die GEMA, als Verwertungsgesellschaft erhebt
Gebühren und verteilt diese. Strittig ist, ob diese Modelle noch zeitgemäß sind. Ideen, wie die Kulturflatrate, werden parteienübergreifend diskutiert. Endgültige Lösungen müssten gemeinsam mit den Kreativen erarbeitet werden.
Siehst du die Piratenpartei als Partei der Nerds und Computerfreaks? Wenn ja, siehst du das
als hilfreich an, wenn nein, wie möchtest du gegensteuern?
Ja und nein. Ja, als solche ist sie entstanden. Gegründet auf Grund der Ignoranz von Politik und Industrie. Nein, weil wir nicht mehr nur Computerfreaks sind. Seit einigen Wochen kommen immer mehr Piraten dazu. Aus allen Bereichen der gesellschaftlichen Struktur. Wissenschaftler, Ärzte und Angestellte, Arbeitslose und Arbeiter. Auch viele ohne Affinität zum Computer. Einfach weil unsere Positionen richtig sind. Weil wir basisdemokratisch sind und eine Streitkultur an den Tag legen, die ihres gleichen in der etablierten politischen Umgebung sucht. Weil bei uns jede Meinung gehört wird. Jeder kann sich einmischen, die Transparenz unserer Partei lässt dieses ja auch zu.
Sollte sich die Piratenpartei auch in der Lokalpolitik und auf Länderebene mit eigenen Programmpunkten aufstellen?
Hier bin ich dafür. Gerade in den einzelnen Ländern gibt es Probleme, die im Bund nicht gehört werden. Probleme die die Menschen vor Ort bewegen. Ich sage nur Atommüllendlager, oder unterirdische CO2 Verklappung. Flughafenerweiterungen, Schifffahrtswege, Binnenhäfen, Infrastrukturen und Dinge die als Ländersache betrachtet werden. Hierzu müssen Landesverbände eine Meinung haben und auf Länderebene Alternativen aufzeigen, die die Bürger dazu bewegen, Piraten zu wählen.
Über die Jungen Piraten
Kennst Du die jungen Piraten, schon? Wenn ja woher?
Ja, leider bisher nur von der Webseite!
Bist du selbst ein junger Pirat?
Nein, ich glaube dem Alter schon entwachsen zu sein.
Was denkst du zu den Jungen Piraten?
Alles was ich bisher auf Eurer Seite lesen konnte, gibt mir die Hoffnung, dass wir für die Piratenpartei und ihre hohen Ziele, Enthusiasten finden, die sich einbringen und einmischen. Die mit freiheitlicher Selbstsicherheit das bestehende und künftige Konzept für eine neue zuschaffende menschlichere Welt eintreten. Uns „Alte“ ersetzen und noch besser in das Rad der sich derzeit verändernden Realität eingreifen. Wir starten das Ganze und ihr werdet es gut fortsetzen, denn auch eure Stimme wird gehört.
Hoffnungen und Wünsche an die Jungen Piraten:
Zeigt Euch, werbt weiter, organisiert öffentliche Aktionen. Die Menschen in unserem Lande haben nicht alle Internet und Onlineverständnis. Erhebt Eure Stimme immer wieder, wenn etwas ungerecht ist. Wenn vor allem in den Schulen und Universitäten, insgesamt im Bildungswesen, etwas unangenehm aufstößt. Wehrt Euch, wenn Ihr angegriffen werdet, streitet Euch in geschlossenen Räumen, bis Ihr Konsens, eine gemeinsame Sprache gefunden habt. Verzeiht Fehler der Anderen, sie werden daraus lernen, und sucht Gleichgesinnte auf allen Themengebieten auch aus anderen Vereinen und arbeitet mit ihnen zusammen. So werdet Ihr größer und stärker und helft damit auch der Piratenpartei!
Euer Axel Mehldau
Vorstand des Landesverbandes Brandenburg
Der Piratenpartei Deutschland
Die Jungen Piraten bedanken sich für die Antworten und wünschen viel Erfolg im Wahlkampf!
Ein herzliches: ARRRRRR!



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